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| Als "Joey, Johnny, Marky, CJ" wurden sie angekündigt: Keine Frage, die Ramones müssen niemandem mehr erklärt werden. Seit fast zwanzig Jahren gilt ihr "Hey Ho, Let's Go": Die schnellste Band der Welt ist schon lange eine Institution. Zwecks Promotion der Weihnachts-Live-CD "Loco Live" landeten die vier auch zu einigen (wenigen) Konzerten in Deutschland. |
Eines fand im "TOR 3" zu Düsseldorf
statt. Trotz Streß während der
Blitz-Tour waren sie sehr gut drauf,
schnell, aber nicht zu schnell spielten
sie ihr Programm, phasenweise
wirkten sie fast schon ein
bißchen relaxt, was hier nur positiv
gemeint ist. Der obligatorische
Opener "The Good, The Bad, The
Ugly" und dann Gas. Problemlos
kann die New Yorker Kapelle ein
only-best-of-Programm von ca. 70
Minuten darbieten - jeder Song ist
ein Hit.
Der Pogo tobt in der schon lange ausverkauften Halle, von der ersten bis zur letzten Reihe ist jedermann in akuter Bewegung, bei Highlights wie "Blitzkrieg Bop", "Pet Sematary", "Sheena Is A Punk Rocker" wird das Tempo der Pogo-Frequenz nochmal erhöht. Auch die vielen Promis aus dem Show- und Mediengeschäft können das Zucken in den Bei- nen nur schwer ignorieren, allen voran natürlich die Toten Hosen und andere Wichtige und Unwichtige der Düsseldorf-/Kölner Szene. Unmittelbar nach dem Auftritt lud die Band zur Pressekonferenz, auf der sie bereits bekannt gab, daß sie Ende Januar in New York mit den Aufnahmen für eine neue LP beginnen, die im Mai erscheinen soll, woraufhin dann im größeren Rahmen getourt wird.
Mit aboluter Selbstverständlichkeit
rechtfertigt Johnny
Ramone die nicht gerade
überragende Soundqualität
von "Loco Live", es sei
"schließlich ein Live-Album,
Overdubs und sonstige
Nachbearbeitung gibt es bei
uns nicht."
Muß man damit rechnen, daß die Ramones nach Chart-Erfolgen wie "Pet Sematary" wieder auf Hit-Kurs gehen? Johnny: "Wir waren niemals ernsthaft an Pop-Hits interessiert, alle Stücke sollen Ramones-Songs sein. Wenn diese zu Hits werden, gut - wenn nicht, auch gut. Uns ist das eigentlich egal. Ich persönlich vertraue dieser Chart-Maschine ohnehin nicht. Generell halte ich es auch für eine Band wie die Ramones nicht für gut, Hits zu haben. Dann kann es dir nämlich passieren, daß das Live-Publikum vor dir steht und lediglich auf den einen Song wartet und den Rest nicht mag. Früher waren wir manchmal dem Druck ausgesetzt, einen Pop-Song pro Album schreiben zu müssen, was uns auch nicht gepaßt hat, z.B. 'Howling At The Moon', das Dave Stewart für uns produzierte. Man kann sich nicht immer dagegen wehren." Seit 17 Jahren funktionieren die Ramones nun, Joey und Johnny haben das vierzigste Lebensjahr dicht vor Augen. Denkt man da schon mal an Abschied?
Johnny: "Eines Tages wird die Zeit
kommen, wo es besser ist, aufzuhören.
Wenn wir einmal ein Video
von uns sehen sollten, in dem wir
nicht mehr die Power haben, die die
Ramones brauchen und auszeichnen,
wenn wir sehen, das neue, junge
Bands uns einholen, werden wir
aufhören. Die Fans erwarten etwas
ganz Bestimmtes von uns und solange
wir ihnen das geben können
und es uns immer noch Spaß
macht, werden wir weiter spielen.
Ich kann heute nicht sagen, ob es
noch fünf oder zehn Jahre sind, einige
Jährchen werden es schon noch,
aber sicher müssen wir auch daran
denken, was danach kommt."
In Anbetracht des Alters der Band ist es fast schon normal, daß sich im Publikum 13-jährige Teenies neben Vätern in den Mittdreißigern wiederfinden. Befriedigt so etwas, oder ist es ein Problem? Johnny: "Es macht Spaß, wir spielen Rock'n'Roll für jedes Alter. Unsere Musik spricht eine ganz eigene Sprache, die für jeden verständlich ist. Unsere Texte sind nicht übermäßig anspruchsvoll oder zeitgebunden, die sogenannte "Message" bringt allein die Musik rüber. Es gibt nicht viel zu verstehen oder mißzuverstehen." Die Ramones sind aktiver und aktueller denn je, auf das neue Album darf man zurecht gespannt sein, obwohl man natürlich keine musikalischen Innovationen erwarten darf, die sich in diesem Fall wohl auch niemand wünscht. Live-Ereignisse sind für den Sommer geplant, bis dahin tut es auch "Loco Live" |
| Markus Hartmann |