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from German magazine "Zillo - MusikMagazin" Dez. 93/Jan. 94 / Nr. 12.93/1.94
 
 
The Ramones

Johnny + Joey Ramone Wenn es darum geht, schon zu Lebezeiten eine Band zur Legende zu erklären, dann sind die Ramones zweifellos heiße Anwärter auf diese vakante Stelle. Im nunmehr 19. (!!!) Jahr ihres Bestehens haben sie nichts von ihrer Spritzigkeit eingebüßt. Unverkennbar ihr Rock'n'Punk-Sound oder wie auch immer man ihren Stil definieren will. Die Ramones sind halt die Ramones... Sie scheren sich einen Dreck um Trends, worin vielleicht das Geheimnis Ihres Erfolges begründet liegt. Wo auch immer ihr "Gabba Gabba Hey" oder "Hey Ho - Let's Go" ertönt, ist Action angesagt. Auf ihrer neuesten Veröffentlichung "Acid Eaters" (Chrysalis/EMI) haben sie Songs aus der Psychelic-Ära den nötigen Ramones-Schliff verpaßt. Anlaß genug, Joey Ramone mittels Telefon in New York zu kontaktieren.
Joey Ramone Klar und verständlich, mit der Behäbigkeit eines Kaugummi, als säße er direkt nebenan, kommt Joey's Stimme aus dem Hörer. Meine erste Frage richtet sich nach dem Zustandekommen eines Longplayers mit Coverversionen aus den 60er/70er Jahren.
"Well, ursprünglich sollte 'Take It As It Comes' die Single sein. Unser Manager, der auch Kopf unseres amerikanischen Plattenlabels 'Radioactive Records' ist, sagte: 'Wollt ihr Jungs nicht ein paar eurer Favoriten-Songs aus den 60ern covern, und wir veröffentlichen das als E.P?'. Es sollte ein Spaßprojekt für die Fans sein. Und so begann es. Wir machten fünf Songs und sie waren erstaunlich und jeder war begeistert. Und als wir 'Substitue' (Who) aufnahmen, kam Pete Townsend und sang im Background. U2 hörten ebenfalls 'Substitute' und fragten uns, ob wir zwei spanische Gigs mit ihnen spielen würden. So entschieden wir uns sechs weitere Songs aufzunehmen. Ursprünglich sollte es kein Album werden und jetzt ist es ein Album."
Warum sind sie bei der Songauswahl so weit zurückgegangen? "Ursprünglich kam alles von der Single 'Take It As It Comes', dem Doors-Song aus den späten 60ern. Es sollte ein Album mit all den Songs aus dieser Ära werden, der psychedelischen Periode", erklärt Joey und ist der Meinung: "Die beste Musik wurde in den späten 50ern und 60ern gemacht."
Die Jahre vergehen, Trends werden geboren und segnen das Zeitliche, doch die Ramones sind kontinuierlich und erfolgreich im Showbiz dabei. Wie definiert Joey die Ramones 1993? In sehr sachlichem Ton antwortet er:
"Ramones are one of a kind and the ultimate Rock'n'Roll-Band."
Wer möchte da widersprechen? Auf die aktuelle Musikszene angesprochen, fällt sein Urteil positiv aus:
"Ich denke, Rock'n'Roll ist im Moment in einem sehr gesunden Zustand."
Die Ramones haben in ihrer Karriere unzählige Klassiker geschaffen. So wie sie auf "Acid Eaters" ihren Vorbildern huldigen, werden sie von anderen Bands gecovert und geehrt, z.B. "Something In My Drink" von den Dimple Minds oder "Blitzkrieg Bop" von den Toten Hosen. Was hält er davon, wenn die Ramones gecovert werden?
"Wir finden es großartig. Es ist die höchste Form des Beifalls und sehr aufregend."
Stichwort Tote Hosen. Joey ist voll des Lobes über Campino. "Campino ist ein großartiger Mann, und sie sind eine großartige Band. Er ist einer der nettesten Kerle, die ich je getroffen habe. Well, es würde sicherlich eine Menge Spaß bringen", kann Joey sich durchaus gemeinsame Konzerte mit den Toten Hosen vorstellen.
Joey gehört nun auch nicht mehr zu den Jüngsten unter der Sonne. Der Prozeß des Alterns macht auch vor ihm nicht halt. Angst vor dem Alter?
"Nein, ich genieße es. Es ist großartig."
Hat er denn immer noch Spaß daran, auf der Bühne zu stehen?
"Yeah", kommt die begeisterte Antwort. "It's more fun than it ever was."
Ihre Karriere ist von Highlights gezeichnet. Was würde er gerne noch realisieren, was er bisher noch nicht mit den Ramones realisiert hat? "Du realisierst jeden Tag neue Dinge und das ist es, was das Leben lebenswert macht", lautet die schon prophetenhafte Antwort.
Erst kürzlich lief Stephen Kings Film "Friedhof der Kuscheltiere" im Fernsehen. Der Titelsong "Pet Sematary" stammt von den Ramones.
"Weil Stephen King ein großer Ramones-Fan ist und uns fragte, ob wir nicht den Titel-Song für den Film schreiben wollten", nennt Joey den Grund für die akustische Mitwirkung im Film und kann sich durchaus weitere Aktivitäten in diesem Genre vorstellen.
Ein Ende der Ramones ist nicht abzusehen. In Kürze wird getourt und dann steht für 1994 etwas ganz Besonderes im Terminkalender vermerkt. Die Ramones feiern das 20. Jahr ihres Bestehens.
"Da wird eine Menge Aufregung auf uns zukommen", freut sich Joey der Dinge, die da kommen mögen.
Bis dahin betören wir uns an den berauschenden Versionen der Ramones von "Substitute", "When I Was Young" oder "Have You Ever Seen The Rain?".
"Hey Ho - Let's Go!"
Text: Frank Rummeleit
Fotos: Michael Göttlicher