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from German magazine "SUB LINE" Juli/Aug. '93 / Nr. 7/8
 
"Good songs, nice music, cool guys - you know?"
THE RAMONES
Joey Ramone über sich, andere und Gott und die Welt
Nein, eine neue Platte der RAMONES ist noch nicht in den Läden, denn bis zur Fertigstellung des Nachfolgealbums zu "Mondo Bizarro" dürfte noch etwas Zeit vergehen, vom untätigen Herumsitzen kann bei Joey & Co. allerdings nicht die Rede sein.
Am 15. August präsentiert SUB LINE das Open Air Festival in Northeim, bei dem die RAMONES Ihr einziges Gastspiel in Deutschland neben Siouxsie & The Banshees, den Cramps u.a. geben werden.
Beim letzten Treffen in Köln trat Charly Rinne, ein äußerst gesprächslustiger und aufgeweckter Joey Ramone gegenüber, eine Tatsache, die laut Plattenfirma für ihn ziemlich ungewöhnlich sei.
Joey Ramone Zu Beginn des Interviews wurde Joey mit Stücken verschiedener, bewußt ausgesuchter Bands konfrontiert. Den Anfang macht "The Good, The Bad, The Ugly" von Cult-Mitglied Billy Duffy und Johnny Marr (Ex- Smiths), ein Song aus dem gleichnamigen Western, den die RAMONES als Intro für ihre Shows nutzen.
Joey: "Nun, wir mögen diese Spaghetti-Western und wir stehen auf solche Kultfilme. Wir haben auch all' die Filme von Clint Eastwood gesehen. Das sind immer noch sehr gute Streifen."
Nächstes Stück: Sex Pistols, "Anarchy In The U.K.".
Joey: "Was ist das für ein Müll? (lacht). Nein, wir mögen die Sex Pistols. Das klingt angenehm für das Ohr, you know?"
Habt Ihr mit Ihnen mal zusammengespielt, vielleicht vor 15 oder 16 Jahren?
Joey: "Nein, wir spielten nie zusammmen. Es war geplant, aber wir haben es nie getan. Das Lustige ist, daß die Sex Pistols immer eine "hergestellte" Band waren, wogegen die RAMONES das wahre Ding waren/sind."
Ich habe gelesen, die Pistols besuchten '76 oder '77 Eure Show in London und haben Euch anschließend Backstage besucht. Stimmt das?
Joey: "Yeah, die Johnnys hingen zusammen herum (Johnny Rotten, Johnny Ramone). Das waren schon aufregende Zeiten, als wir im Juli '76 nach England kamen. Bands wie The Damned und die Pistols waren die ersten, die Punkrock in England spielten, und sie sagten uns, daß es unser erstes Album war, das sie inspirierte. Ich erinnere mich, wir kamen '77 zurück und spielten eine große Europa-Tour. Bis dahin hatte jeder seine eigene Band, sein eigenes Plattenlabel und machte sein eigenes Fanzine. Jeder kreierte eine Art neues System, das Dinge wirklich ändern sollte. Was die englischen Kids mit ihren Bands begannen, ist wirklich wie "rock the world" Jeder war inspiriert, jeder injizierte sein eigenes Ich, um seinen eigenen Sound zu erhalten, aber der Ursprung ihrer Musik war der RAMONES-Sound. Eine aufregende Zeit..."
Nach den ersten Tönen von Metallicas "Enter Sandman"...
Joey: "Wirklich großartiges Stück und auch mein liebster Metallica-Song. Anfangs starteten sie mehr als ein subkulturelles Undergroundprojekt, und nun sind sie eine der dominierendsten Bands in der Rockmusik, was großartig ist."
Spielten die RAMONES in den letzten Jahren live mit Metallica auf Festivals, Tourneen o.ä.?
Joey: "Ich glaube nicht, daß wir zusammen gespielt haben, aber wir sind Fans von ihnen und sie sind Fans von uns. Wenn wir in der Gegend von San Francisco spielen, kommen sie immer zu unseren Konzerten. Lars Ulrich sagte einmal, bei der Gründung von Metallica hätten die RAMONES eine Hauptrolle gespielt. Nachdem er uns in Skandinavien sah, wußte er, daß er Metallica gründen wollte."
Ein weiterer Song ist ein klassisches Stück von den Doors: "Break On Through".
Joey: "Das ist ein anderes großartiges Lied. Wir waren von Beginn an Doors-Fans. Vom ersten Album stammt "Take lt As lt Comes", das ein obskurer Doors-Song ist. Wir glaubten, ihn gut covern zu können, und ich fühlte, unsere Version ist stark, wenn nicht sogar besser, als das Original. Und tatsächlich bekamen wir vor ein paar Monaten einen Brief vom Doors-Management. Robby Krieger, der Gitarrist, liebt unsere Version und sagte, wenn wir in Los Angeles auf Tour wären, würde er gerne mit uns spielen. Als wir vor einigen Monaten in L.A. waren, kam er dann. Das war das erste Mal, daß wir einen anderen Musiker mit uns auf der Bühne haben auftreten lassen. Es war für uns als Doors-Fans eine große Ehre und ein historisches Ereignis, ihn zu treffen."
Joey hört eine Weile "100%" Sonic Youth.
Joey: "Ah, Sonic Youth? Ich bin kein großer Fan, sie sind aber glaube ich eine coole Band. You know what I mean? Ich mag einige ihrer Sachen, habe mich aber nie richtig mit ihnen beschäftigt. Wir waren letzten Sommer Headliner eines Festivals in Belgien, zusammen mit The Pogues, Dinosaur Jr. etc. Dort filmten Sonic Youth für eine Art Home Video. Sie sind ein bißchen Fans von uns, das ist cool. Sie scheinen mir okay zu sein (lacht)."
Neben den RAMONES ist Neil Young sicherlich ein weiterer Amerikaner, der Kultstatus erreicht hat. (Eingespieltes Stück: "Rockin' In A Free World")
Joey: "Ah, ich mag Neil Young. Seit seinem ersten Album mit "Crazy Horse" bin ich ein Fan von ihm. Er ist sehr "down to earth". In diesem Song ist eine Menge Bewegung und Leidenschaft, ein wahrer, positiver Song. Aber bei manchen Dingen finde ich nicht, daß er richtig liegt, wie z.B. dieses Album, das er über Johnny Rotten gemacht hat. Jemand, der meint, der ganze Punkrock seien die Sex Pistols... Das war wie eine stereotype Ansicht von einem Mainstreamer, aber ich sehe darüber hinweg. Ein paar Sachen von Neil Young mochte ich wirklich nicht, wie diesen Song "Heart Of Gold". Ich haßte dieses Lied, aber ich mag z.B. "The Needle And The Damage Done" oder "Down By The River". Ich denke, Neil ist einzigartig. Er verändert ständig seine Musik, aber er hat endgültige Ansichten über bestimmte Dinge. Bei allem Respekt ziehe ich Neil Young, The Cure oder sogar Sonic Youth vor, obwohl Sonic Youth von gegenwärtiger Bedeutung und wirklich gut sind. Ich habe ihn noch nie getroffen, würde es aber gerne."
Okay, die Sänger des nächsten Songs sind wieder einmal aus New York: Public Enemy und Anthrax, "Bring The Noise".
Joey: "Yeah, ich habe den Song schon gehört und er hat etwas, das ich mag. Das ist wie Ministry hören, eine Art von Befrei- ung, you know? Auf der einen Seite verstehe ich, wo sie herkommen, aber sie sind für mich eine rassistische Band und Rassismus und Haß haben keinen Platz in der Musik, die ich hören will. Andererseits weiß ich, wie die Schwarzen in Amerika behandelt werden.
Ich mag auch Ice T, daß er alles ausspricht, was er denkt, was er zu sagen hat..."
Da war sehr viel Arger in Amerika mit diesem Bodycount-Album von Ice T, wegen des Songs "Copkiller" und generell wegen seiner Texte. Ich glaube, es wurde in einer ganzen Reihe von Staaten verboten...
Joey: "Ja, das ist eine ganz neue Art von Zensur, die in Amerika praktiziert wird. Einige Leute nehmen alles wörtlich und bewerten es über, speziell in der Musik. Das ist zur Zeit ein wahrer Angriff auf menschliche Bürgerrechte in Amerika. Rock'n Roll wird nun schon seit dreißig Jahren angegriffen, aber diese Personen fürchten sich immer mehr vor freidenkenden, offenen Leuten. Meistens werden diejenigen angegriffen, die etwas zu sagen haben, wie z.B. Perry Farrel und eben Ice T. Ich finde es wichtig, daß Menschen sich bewußt sind, was Realität ist, und was nicht. Ice T ist nicht nur eine Zielscheibe, weil er schwarz ist, sondern weil er auch etwas zu sagen hat."
Das folgende Stück stammt von einer deutschen Gruppe, ich denke, du müßtest diese Band kennen...
Joey: "Oh, die Toten Hosen. Ich mag sie wirklich. Sie sind eine sehr gute Band, coole Jungs, besonders Campino. Das war eine wirklich coole Idee, ein Punk-Album zu machen, mit all den Original-Musikern. Eine cleveres Ding. In ihrer Musik ist "Ro- mance And Spirit" für wirklich coolen Rock'n Roll."
Der letzte Song für heute ist "Hunger Strike" von Temple Of The Dog, einem Band-Projekt aus Seattle, bestehend aus Mitgliedern von Pearl Jam und Soundgarden.
Joey: "Es klingt gut! Ich mag Pearl Jam und auch Soundgarden. Als Soundgarden mit Guns 'N' Roses auf Tour waren, spielten sie unter anderem auch im Madison Square Garden in New York, und fragten mich, ob ich sie ansagen würde. Das war wirklich aufregend und eine gute Gelegenheit, beide Bands anzusehen. Die Bühne war so hoch, ich ging die Treppe hinauf und fühlte mich wie auf dem "Stairway To Heaven". Ich bat C.J., da mit mir hinaufzugehen. Ursprünglich war auch er es, der mich auf die Musik von Soundgarden brachte."
Interview: Charly Rinne
Bearbeitung: Sylvia Haupt