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Ivo's RAMONES Press Center

from German magazine "SUB LINE" Nr. 3 / März '93
 
SUB LINE ALIVE
Ramones
Hamburg, Sporthalle
Es gibt wirklich keinen Zweifel: Der Mythos "RAMONES" ist nach beinahe zwanzig Jahren Existenz beliebter und erfolgreicher denn je. Niemand weiß so recht, wieso und weshalb diese Band so außergewöhnlich ist und wie sich ihr Erfolg erklären läßt, fest steht auf jeden Fall, daß es die Herren um Frontmann Joey Ramone verstehen, ihr Publikum zu fesseln und Leute aller Altersklassen in die Hallen zu locken. Bei ihrer diesjährigen Tournee durch Deutsche Lande wurde diese unabwendbare Tatsache erneut bestätigt. Das Abschlußkonzert der Tour in der Hamburger Sporthalle war gut besucht, und die Zuhörerschaft huldigte die lebende Legende bereits vorab mit enthusiastischen "Gabba Gabba Hey"-Rufen.
(...)
Um ca. 21.15 Uhr begann der eigentliche Höhepunkt des Abends: Die RAMONES enterten die Bühne, um in gewohnter Manier in kurzem Schlagabtausch sämtliche Hits runterzureißen. Wer erinnert sich nicht gerne an "Blitzkrieg Bop" oder "Sheena Is A Punk Rocker"?
Joey Ramone Das Publikum tat's und pogte bis zum Umfallen. Es gibt eben Dinge, die sich nie ändern werden. Die RAMONES sehen noch genauso aus wie zu "Rock'n'Roll Highschool"-Zeiten, fahren denselben Sound und Joey schafft es immer noch, durch Unbeweglichkeit zu glänzen. Aber wen interessiert das?! Die Leute kommen zu ihren Konzerten, weil sie wissen, worauf sie sich einlassen. Sie bekommen grundehrlichen Punkrock geboten, der sie niemals enttäuschen wird: Laute, harte Gitarrenriffs, polternde Drums, kantige Bässe, stimmige Keyboards und als Zugabe Joey's unverkennbaren Gesang. Die RAMONES sind ihrem Stil treu geblieben und haben sich nicht von musikalischen Trends beeinflussen lassen. Das konnte man in jeder Phase des Konzertes spüren. Sie sind nach wie vor mit Elan bei der Sache und ruhen sich nicht auf alten Lorbeeren aus, was ihr aktuelles Album "Mondo Bizarro" außer Frage stellt. Highlight für mich war die geniale Interpretation von "Take It As It Comes", ein Kultstück der Doors. Jim Morrisson hätte seine wahre Freude dran gehabt! Songs wie "Censorshit", der sich mit der Zensur zeitgenössischer Pop- und Rockmusik in Amerika befaßt, oder radiotaugliche Nummern wie "Poison Heart" beweisen, mit welcher Intensität und Kraft das Gespann immer noch zu Werke geht. Beeindruckend auch die Fans. 16-l8jährige Kids verausgaben sich bei Songs, die zum Teil geschrieben wurden, als sie noch nicht einmal auf der Welt waren. Das veranschaulicht nur, wie zeitlos diese Musik ist.
Joey Ramone Ich hatte nach der Show in Hamburg die Gelegenheit, Joey Ramone im Tourbus ein paar Fragen zu stellen, unter anderem auch über dieses Thema. Er versicherte mir, dies sei nur die Bestätigung dafür, was sie seit Jahren tun. Ihr unermüdlicher Arbeitswille, der Drang live zu spielen und der feste Vorsatz, immer bei ihren Wurzeln zu bleiben - all das sind Dinge, die ihnen die Zuhörerschaft dankt, da ist es egal, ob jemand 16 oder 36 ist.
Sinn und Zweck eines Konzertes ist für die RAMONES hauptsächlich die Tuchfühlung mit dem Publikum und Joey meinte, dies sei in seinen Augen bei der Germany-Tour vollends gelungen. "Die Resonanz von den Fans in Deutschland war beeindruckend. Unser Publikum wird immer jünger, aber auch die alte Garde ist immer noch dabei. Insgesamt kann man sagen, daß vom Yuppie bis zum Punk alles vertreten ist - und das ist gut so."
Und wie ist das Verhältnis innerhalb der Band, gab es denn Momente, wo Du ans Aufhören gedacht hast, immerhin macht ihr ja bis zu 200 Gigs im Jahr?
"Wir kennen uns seit Urzeiten, haben z.B. seit 18 Jahren den gleichen Sound-Coordinator - man kann sagen, wir sind eine fest zusammengewachsene Truppe, sowas wie eine große Familie. Meine Familie. Wir haben endloses Vertrauen zueinander, ohne diesen Zusammenhalt wäre dieser Erfolg sicher auch niemals möglich gewesen. Klar, ich habe mal ans Auffhören gedacht, aber ich habe mich immer schnell eines Besseren besonnen. Mir fielen dann gleich die guten Zeiten ein - und die Fans natürlich. Es ist ein tolles Gefühl, wenn die Leute einem treu bleiben, selbst wenn man mal einen Durchhänger hat. Die RAMONES sind eben mein Job, und den muß ich erledigen."
Marky Ramone Wie würdest Du im Moment Deine Position bei den RAMONES beschreiben, hast Du eine bestimmte Massage, die Du vertrittst, denn viele eurer Texte, vor allen Dingen die neueren, sind doch sehr kritisch?
"Ich habe mein Leben ziemlich exzessiv gelebt, mittlerweile habe ich doch mehr Interesse für elementare, weltbewegende Dinge entwickelt. Musik ist ein Mittel, um viele Leute anzusprechen, mit Politik und gesellschaftlichen Problemen zu konfrontieren, obwohl der Spaß selbstverständlich an erster Stelle steht."
Wie sehen Eure weiteren Pläne aus?
"Wir fahren erst einmal nach England, um die Tournee fortzusetzen - Weihnachten verbringen wir dann zuhause in den Staaten. 1993 geht es dann u.a. nach Japan und Australien."
Zuguterletzt kann man sagen: Ich habe Joey wirklich als netten Zeitgenossen kennengelernt und bin zu dem traditionellen Schluß gekommen, daß der Punk nicht totzukriegen ist, zumindest nicht, solange die RAMONES noch unter den Lebenden weilen.
Barbara Diekmann