|
| |
| |
| |
| Hamburg, Sporthalle | |
| Es gibt wirklich keinen Zweifel: Der Mythos "RAMONES" ist nach beinahe zwanzig Jahren Existenz beliebter und erfolgreicher denn je. Niemand weiß so recht, wieso und weshalb diese Band so außergewöhnlich ist und wie sich ihr Erfolg erklären läßt, fest steht auf jeden Fall, daß es die Herren um Frontmann Joey Ramone verstehen, ihr Publikum zu fesseln und Leute aller Altersklassen in die Hallen zu locken. Bei ihrer diesjährigen Tournee durch Deutsche Lande wurde diese unabwendbare Tatsache erneut bestätigt. Das Abschlußkonzert der Tour in der Hamburger Sporthalle war gut besucht, und die Zuhörerschaft huldigte die lebende Legende bereits vorab mit enthusiastischen "Gabba Gabba Hey"-Rufen. | |
|
(...)
Um ca. 21.15 Uhr begann der eigentliche Höhepunkt des Abends: Die RAMONES enterten die Bühne, um in gewohnter Manier in kurzem Schlagabtausch sämtliche Hits runterzureißen. Wer erinnert sich nicht gerne an "Blitzkrieg Bop" oder "Sheena Is A Punk Rocker"?
Das Publikum tat's und pogte
bis zum Umfallen. Es gibt eben
Dinge, die sich nie ändern werden.
Die RAMONES sehen noch
genauso aus wie zu "Rock'n'Roll
Highschool"-Zeiten, fahren denselben
Sound und Joey schafft es
immer noch, durch Unbeweglichkeit
zu glänzen. Aber wen interessiert das?!
Die Leute kommen zu ihren
Konzerten, weil sie wissen, worauf
sie sich einlassen. Sie bekommen grundehrlichen
Punkrock geboten, der sie niemals
enttäuschen wird: Laute, harte Gitarrenriffs,
polternde Drums, kantige Bässe, stimmige Keyboards
und als Zugabe Joey's unverkennbaren Gesang. Die
RAMONES sind ihrem Stil treu geblieben und haben
sich nicht von musikalischen Trends beeinflussen
lassen. Das konnte man in jeder Phase des Konzertes
spüren. Sie sind nach wie vor mit Elan bei der Sache
und ruhen sich nicht auf alten Lorbeeren aus, was ihr
aktuelles Album "Mondo Bizarro" außer Frage stellt.
Highlight für mich war die geniale Interpretation von
"Take It As It Comes", ein Kultstück der Doors.
Jim Morrisson hätte seine wahre Freude
dran gehabt! Songs wie "Censorshit",
der sich mit der Zensur zeitgenössischer
Pop- und Rockmusik in Amerika
befaßt, oder radiotaugliche Nummern
wie "Poison Heart" beweisen,
mit welcher Intensität und
Kraft das Gespann immer noch
zu Werke geht. Beeindruckend
auch die Fans. 16-l8jährige Kids
verausgaben sich bei Songs, die
zum Teil geschrieben wurden,
als sie noch nicht einmal auf der
Welt waren. Das veranschaulicht
nur, wie zeitlos diese Musik ist.
Ich hatte nach der Show in Hamburg
die Gelegenheit, Joey Ramone
im Tourbus ein paar Fragen zu
stellen, unter anderem auch über dieses
Thema. Er versicherte mir, dies sei
nur die Bestätigung dafür, was sie seit
Jahren tun. Ihr unermüdlicher Arbeitswille,
der Drang live zu spielen und der feste Vorsatz,
immer bei ihren Wurzeln zu bleiben - all das sind
Dinge, die ihnen die Zuhörerschaft dankt, da ist es
egal, ob jemand 16 oder 36 ist.
Sinn und Zweck eines Konzertes ist für die RAMONES hauptsächlich die Tuchfühlung mit dem Publikum und Joey meinte, dies sei in seinen Augen bei der Germany-Tour vollends gelungen. "Die Resonanz von den Fans in Deutschland war beeindruckend. Unser Publikum wird immer jünger, aber auch die alte Garde ist immer noch dabei. Insgesamt kann man sagen, daß vom Yuppie bis zum Punk alles vertreten ist - und das ist gut so." Und wie ist das Verhältnis innerhalb der Band, gab es denn Momente, wo Du ans Aufhören gedacht hast, immerhin macht ihr ja bis zu 200 Gigs im Jahr? "Wir kennen uns seit Urzeiten, haben z.B. seit 18 Jahren den gleichen Sound-Coordinator - man kann sagen, wir sind eine fest zusammengewachsene Truppe, sowas wie eine große Familie. Meine Familie. Wir haben endloses Vertrauen zueinander, ohne diesen Zusammenhalt wäre dieser Erfolg sicher auch niemals möglich gewesen. Klar, ich habe mal ans Auffhören gedacht, aber ich habe mich immer schnell eines Besseren besonnen. Mir fielen dann gleich die guten Zeiten ein - und die Fans natürlich. Es ist ein tolles Gefühl, wenn die Leute einem treu bleiben, selbst wenn man mal einen Durchhänger hat. Die RAMONES sind eben mein Job, und den muß ich erledigen."
Wie würdest Du im Moment Deine Position
bei den RAMONES beschreiben,
hast Du eine bestimmte Massage,
die Du vertrittst, denn viele eurer
Texte, vor allen Dingen die neueren,
sind doch sehr kritisch?
"Ich habe mein Leben ziemlich exzessiv gelebt, mittlerweile habe ich doch mehr Interesse für elementare, weltbewegende Dinge entwickelt. Musik ist ein Mittel, um viele Leute anzusprechen, mit Politik und gesellschaftlichen Problemen zu konfrontieren, obwohl der Spaß selbstverständlich an erster Stelle steht." Wie sehen Eure weiteren Pläne aus? "Wir fahren erst einmal nach England, um die Tournee fortzusetzen - Weihnachten verbringen wir dann zuhause in den Staaten. 1993 geht es dann u.a. nach Japan und Australien." Zuguterletzt kann man sagen: Ich habe Joey wirklich als netten Zeitgenossen kennengelernt und bin zu dem traditionellen Schluß gekommen, daß der Punk nicht totzukriegen ist, zumindest nicht, solange die RAMONES noch unter den Lebenden weilen. | |
| Barbara Diekmann |