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The Ramones |
Die dienstältesten Punk-Rocker der Welt, THE RAMONES,
melden sich mit einem neuen Live-Album zurück. Rock
Power-Redakteur MARK DAY ließ sich in New York von JOEY
RAMONE erklären, warum ihr Sound inzwischen vielleicht
älter, aber keinesfalls softer geworden ist.
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Die Sensation ist perfekt: Mit der
Veröffentlichung ihres Live-Albums 'Loco Live'
sind die Ramones deutlicher als erwartet zu
ihren Ursprüngen zurückgekehrt. Und noch etwas
überrascht: 'Loco Live' enthält mehr Einzelstücke als ihr
inzwischen schon legendäres 79er-Album 'It's Alive'.
Kracher wie 'Blitzkrieg Bop', 'Rockaway Beach' oder
'Teenage Lobotomy' sind kürzer, härter und schneller als
jemals zuvor.
Dabei hat sich an der Arbeitsweise der Band herzerfrischend wenig geändert - was vielleicht auch daran liegt, daß die Ramones die letzten wirklich Überlebenden ihrer Zunft sind. Denn während sich Punkbands aus den frühen Anfangstagen wie The Damned mit schöner Regelmäßigkeit trennen, wiedervereinigen und Abschieds- oder Wiedervereinigungstourneen gleich im Dutzend absolvieren, steht die Ramones-Lokomotive seit Jahren kontinuierlich unter Volldampf. Und jede ihrer LP's hat unter Garantie ein oder zwei potentielle Klassiker dabei, die sich für eine Live-Performance förmlich aufdrängen. Und hätten die Ramones nicht von jeher die fast schon göttliche Gabe, ihre Songs mit der Kürze und Prägnanz von ein paar Ohrfeigen zu verabreichen, würde man sich beim Anhören ihres neuesten Werkes garantiert einen Wolf sitzen: 'Loco Live' umfaßt sage und schreibe 33 Songs aus insgesamt elf Alben...
Jedoch - für einen Musiker, der selbst für Leute vom
Kaliber Lemmy Kult ist, wirkt Joey Ramone
bemerkenswert auf dem Teppich geblieben: Natürlich,
so versichert er am Telefon, hat er nichts dagegen, daß
man ihn ein paar Minuten in seinem New Yorker
Apartment besucht. Und während er sich nebenan in
der Küche an seiner Kaffeemaschine zu schaffen macht,
hat man genügend Zeit und Muße, seinen Blick über
das Interieur seines konsequent unordentlichen
Apartments schweifen zu lassen, daß von einem riesigen
Fernseher sowie Konzertplakaten des kürzlich
verschiedenen 60er-Jahre-Psychedelic-Musikers Rick
Griffin beherrscht wird. Schließlich macht er es sich auf
dem riesigen, mit Cassetten und alten Verpackungen
übersäten Sofa bequem und man gerät ins Plaudern.
Zunächst statt über Musik über seinen Chiropraktiker
(bei seiner ungewöhnlich langen und dürren Figur
überrascht es kaum, daß Joey mit Rückenproblemen zu
kämpfen hat...), aber schließlich kommt er ganz von
alleine auf die lokalen Bands im Viertel - ein Thema,
daß ihm sichtlich am Herzen liegt. Außerdem, so erzählt
er bei dieser Gelegenheit nicht ohne Stolz, seien die
Ramones im Rahmen des 'New York Music Awards' in
diesen Tagen für ihr Lebenswerk nominiert worden, eine
Auszeichnung, über die er sich sehr freut:
"Es ist cool, wenn man gerade in seiner Heimatstadt geschätzt wird", näselt er in seinem charakteristischen Tonfall. "Für mich ist New York so etwas wie der Nabel der Welt, weshalb es für mich eine große Ehre ist, daß wir diesen Preis von der Öffentlichkeit bekommen. Nicht von irgendeinem elitären Haufen wohlgemerkt, sondern von den Kids, und gerade das macht es so bemerkenswert". Doch trotz solcher Anerkennungen ist die Punk- Legende Joey Ramone gleichzeitig eifrig in der lokalen New Yorker Musikszene aktiv, wo er sich bis zu 16 Stunden am Tag um neue Talente kümmert. Mit offensichtlichem Erfolg, denn Bands wie Raging Slab, die inzwischen ihre erste LP bei der RCA veröffentlicht haben, und die Cycle Sluts From Hell erhielten von ihm ihren entscheidenden Karriereschub. Im Augenblick, so verrät Joey, arbeite er mit einer Gothic Rock-Band namens The Ancients zusammen. Warum ist ein Musiker wie er, der sich eigentlich schon längst auf seinen Lorbeeren ausruhen könnte, nach wie vor so umtriebig? Joey schiebt die Sonnenbrille zurecht und und wagt eine vorsichtige Analyse seines Schaffensdranges: "Ich selbst sehe mich im Augenblick neben den Ramones vor allen Dingen als 'freien A & R - Mann' der intensiv mit lokalen Bands zusammenarbeitet und zugleich versucht, ihnen Plattenverträge zu beschaffen. Mittlerweile bin ich in diesem Business leidenschaftlich tätig und habe mich - zu meinem eigenen Erstaunen, wie ich zugeben muß - zu einem tagaktiven Menschen entwickelt; im Gegensatz zu früher, wo ich oft wochenlang keine Sonne gesehen habe. Vielleicht liegt es auch daran, daß ich seit zwei Jahren vom Alkohol weg bin. Inzwischen bin ich dahinter gekommen, daß man seine Tage auch ganz gut mit dem Herstellen von Kontakten verbringen kann." Er nimmt einen Schluck Kaffee und fährt fort: "Es ist wirklich eine ganz neue und sehr befriedigende Erfahrung, mit einem mal sein Leben mit lauter nüchternen Menschen zu verbringen und die damit verbundene Kreativität genießen zu können. Außerdem arbeite ich ausschließlich mit Menschen, die mit mir zusammenarbeiten wollen. Es ist ein konstanter Fluß, lauter verschiedene Projekte, man trifft interessante Menschen - und mit einem Mal verändert sich etwas, und es macht Spaß! Denn der Hauptgrund, warum man sich überhaupt mit Musik beschäftigt, ist immer der Spaß, den man dabei hat. Aber sobald Geld ins Spiel kommt, vergessen das die meisten Leute ganz schnell wieder". Fühlt er sich eigentlich wohl in einer Gegend, deren zunehmende Bandenkriege und eine immer hilflosere Polizei einem Tag für Tag die zunehmende Brutalität dieser Stadt vorführen? "Natürlich New York hat diese ganz bestimmte Form von Elektrizität, es ist ein wirklich kreativer Ort. Besonders hier unten in diesem Stadtteil, den man als 'Village' bezeichnet, gibt es jede Menge Künstler, alles ist bunt, alles hat Charakter. Man muß nur vorsichtig sein und darauf achten, was um einen herum passiert, ganz gleich, wo man gerade hingeht. Ich sage den Leuten stets, daß es ein Risiko ist, mich zu besuchen. Nur so lernt man täglich dazu; ich bin da keine Ausnahme. Ich habe eine Weile in der Bowery ganz in der Nähe des CBGB gelebt (der einzige Club, in dem die Ramones in ihren frühen Tagen auftreten durften.); zuvor wohnte ich im New Yorker Vorort Queens, wo ich das erste Mal eine eigene Wohnung hatte. Als ich dort einmal mit einer Tasche in jeder Hand vom Supermarkt zurückkam, spürte ich auf einmal einen Pistolenlauf in meinem Rücken und zwei riesengroße Typen sagten hinter mir: 'Lauf weiter, wenn du dich umdrehst, blasen wir dir ein Loch in den Schädel', und dann war ich meine Taschen los... Spätestens nach einer Erfahrung wie dieser fängst du natürlich an, auf die Dinge aufzupassen, die um dich herum vorgehen. Die Leute sind in der Regel ganz schön naiv, wenn sie das erste Mal nach New York kommen und wundern sich dann, wenn sie ausgeraubt werden. Dabei muß man ganz einfach nur aufpassen. Die Leute sind viel zu schnell begeistert von New York und vergessen dabei, daß es auch eine Menge Probleme gibt." Doch zurück zu den Ramones. Natürlich hat sich in den zehn Jahren viel verändert, vor allem, wenn es um die geschäftliche Seite ging. Wohl deshalb entschloß sich Joey, einen Großteil der Business-Seite in die Hände von Gründungs-Bassist, Songschreiber und Shouter Dee Dee zu legen, auf dessen Konto die inzwischen legendären 'One, Two, Three, Four'-Rufe von 'Live Blitzkrieg' gehen. Joey zu den Hintergründen: "Es gab zu viel Chaos in der Vergangenheit, zuviel Knatsch mit Management und all dem Kram. Und Dee Dee ist in geschäftlichen Dingen ein talentierter Bursche. Die Art und Weise, wie er damals die Band verließ, war sicher nicht in Ordnung, aber das ist inzwischen erledigt. Mittlerweile ist er wieder in New York und ist um einiges... ahem... gesünder, und vernünftiger, und wir freuen uns, daß wir ihn wieder dabei haben". Und wie würde Joey die Ramones 1991 beschreiben? "Wir sind seit 1977 eine andere Band geworden", erklärt Joey, "und wir spielen inzwischen eine ganze Ecke schneller. Ich finde, das wir durch unseren Neuzugang CJ am Baß mittlerweile das beste Line-Up seit unserem Bestehen haben. Es hat nie zuvor mehr Spaß gemacht, mit den Ramones zu spielen. wir stehen uns viel näher, sind stärker, härter und schneller als je zuvor. Alles in allem sind wir immer noch ein kranker Haufen, der einfach nicht vernünftig werden will." |
Auf dem aktuellen Motörhead-Album '1916' zollt
Lemmy seiner erklärten Lieblingsband Tribut. Joey
dazu: "Ich bin ein großer Motörhead-Fan und es ist
wirklich eine ungeheure Ehre für uns, von ihm einen
Song gewidmet zu bekommen. Ich bin jedes mal
wieder stolz, wenn ich diesen Song höre. Wenn eine
Band wie Motörhead, die sich selbst stets treu
geblieben ist, für dich einen Song schreibt, dann ist
das einfach eine großartige Sache. Wir sind uns sehr
nahe, weil wir stets an unsere Musik geglaubt haben
und uns nie haben beirren lassen. Wir haben unseren
Stil bewahrt und viele Bands bezeichnen uns
inzwischen als ihre Vorbilder."
Motörhead: 'Ramones'
New York City, N.Y.C., Pretty mean when it wants to be, Black leather, knee hole pants, Can't play no high school dance, Fuzz tone, hear 'em go, hear 'em on the radio, Misfits, twilight zone, R-A-M-O-N-E-S, R-A-M-O-N-E-S, RAMONES! |