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Ivo's RAMONES Press Center

from German magazine "INDIECATOR - INTERNATIONAL" 4/93 April
 
RAMONES
BLANK
VERSE!
THE RAMONES sind eine schlichte Legende! Nie zuvor hat die Musik so wenigen Akkorden so viel zu verdanken gehabt! JAMES SHERRY wirft JOHNNY RAMONE ein paar leicht verständliche Stichworte hin, um herauszufinden, was in einem schlichten Gemüt vorgeht! Fotos: Tim Payton
Johnny Ramone SIND eigentlich nur die Engländer blöd genug zu glauben, daß der Punkrock aus Großbritannien stammt? Sicher, die Engländer spielten damals eine führende Rolle, aber eigentlich gab eine damals weitgehend unbekannte New Yorker Band namens THE RAMONES den Anstoß zu einer Entwicklung, die beinahe die Musikindustrie zerstört hätte. Der Punk begann 1976, als "New Rose" von THE DAMNED erschien, oder? Leute, bleibt bei den Tatsachen: THE RAMONES hatten sich schon 1974 formiert und stehen noch immer in vollem Saft! Wer behauptet, daß Gutes nicht von Dauer sein kann, lügt. Und wie.
THE RAMONES haben mit der Veröffentlichung ihres Albums "Mondo Bizarro", das einen deutlichen Formanstieg zeigt und sich vor den frühen Alben wie "Leave Home", "Rocket To Russia" und "Road To Ruin" nicht zu verstecken braucht, bewiesen, daß sie auch heute aktuell sind. Das mag an der Wiederaufnahme der Zusammenarbeit mit Produzent Ed Stasium liegen. Er hat THE RAMONES geholfen, den Sound der frühen Scheiben wiederzufinden, den sie während der etwas schlappen achtziger Jahre leider verlegt hatten.
Sie sind älter und weiser und die kahlen Stellen sind größer geworden, aber noch gehen THE RAMONES nicht von uns...
ENGLAND:
"Wir sind oft dagewesen! Ich muß gerade daran denken, wie wir im Juli 1976 zum erstenmal kamen, im Roundhouse und Dingwalls auftraten und ein paar Kids kennenlernten, die gerade dabei waren, Bands namens THE CLASH, THE DAMNED und THE SEX PISTOLS auf die Beine zustellen! Damals schien das nicht so wichtig zu sein, aber rückblickend war das auf jeden Fall ein sehr historischer Augenblick. Sie wurden zu drei der besten Bands der letzten zwanzig Jahre."
PUNK:
"Für mich war Rock'n'Roll immer Musik für Punks. Elvis Presley war Musik für Punks. THE BEATLES damals in Hamburg Waren eigentlich Punks; nur gab es damals den Begriff 'Punkrock' noch nicht. Leider wurde er in England zu einer Modegeschichte, in Amerika war das etwas anders. Die Presse war auch nicht besonders hilfreich, weil sie immer die negativen Aspekte des Punk hervorhob, anstatt seine positiven Seiten... wie die Musik! Das war echter Rock'n'Roll! Ich weiß gar nicht genau, wann das losging, aber 1976 sprachen alle von Punk. Ich weiß nicht mehr, ob wir '75 auch schon als Punks bezeichnet wurden. Das Punk Magazine entstand auch zu der Zeit, das brachte den Namen richtig ins Laufen."
DIE SIEBZIGER JAHRE:
"Es passiert nicht oft, daß ein Musiktrend so stark wird. Ich dachte, er würde den Rock'n'Roll retten. Ich fand, THE RAMONES, THE SEX PISTOLS, THE CLASH und Songs wie 'God Save The Queen' und 'Anarchy In The U.K.' müßten in Amerika Nummer-Eins-Hits werden. Das hätte den Rock'n'Roll am Leben erhalten, und die Kids hätten angefangen, Punkbands zu gründen! Aber die Medien hielten den Punk klein, die Musikindustrie hielt ihn klein (die verstanden ihn nicht ganz), die Presse griff nur die negativen Aspekte auf, und ich glaube, wenn es nicht so eine Modegeschichte geworde wäre, hääten wir wesentlich länger überlebt. Inzwischen ist das weichgespülte Punkzeug Mainstream geworden. Bands wie NIRVANA sind nur Punkbands der dritten Generation, die mit den Originalen nicht mithalten können!"
DIE ACHTZIGER JAHRE:
"Da gab es nicht mehr viel Rock'n'Roll. Bands starben, Speedmetal kam auf, und alles zersplitterte sich in verschiedene Szenen. Aber im Grunde gab es nicht mehr viel Rock'n'Roll. Wenn man sich die Top Twenty der Albumcharts ansah, war da nicht viel los, und das ist heute auch nicht besser. Da überwiegt immer noch die Rapmusik! Ich dachte, daß der Rap wieder verschwinden würde, aber er schleppt sich so dahin wie die Discomusik von heute! Als die betrachte ich Rap sowieso!"
The Ramones KULT:
"THE RAMONES waren immer eine Kultband. Das ist auch gut so, ich will gar nicht, daß jeder kommt. Mir ist lieber, wenn Leute kommen, die ein bißchen Ahnung von Musik haben, als die Leute, die sich die Top-Forty-Sender anhören und nur die Musik kennen, mit der sie zwangsernährt werden. Wir wollen keine Leute, die nur auf den einen Hit warten, den sie im Radio gehört haben, und das ganze übrige Konzert vergessen."
NEW YORK:
"Ich habe mein ganzes Leben dort gelebt und, ich glaube, es ist an der Zeit zu gehen! Es gibt dort so viele verschiedene Probleme, daß ich gern weggehen würde, wenn ich mit der Band Schluß mache. Die Stadt hat auch viele gute Seiten. Ich kann jederzeit losziehen und einen offenen Laden finden; wenn man in andere Städte kommt, macht alles um 6 Uhr dicht! New York ist gut, wenn man jung ist und noch nicht so an die eigene Sicherheit denkt, wie man das später macht. Aber wenn man älter wird, braucht man das alles nicht mehr! Ich wäre gern irgendwo, wo es ein bißchen ruhiger zugeht."
CBGB'S:
"Ich war seit Ende der siebziger Jahre, als die ganze Szene im Aufbruch war, nicht mehr dort! Wir waren dort mit TELEVISION, JOHNNY THUNDERS AND THE HEARTBREAKERS, BLONDIE, TALKING HEADS, THE DEAD BOYS und haufenweise anderen. Das war der Club, in dem wir '74 anfingen.
Damals wollte keine andere Band dort spielen, weil da nur Hänger waren, aber ab Sommer '75 ging es da richtig ab. Allerdings waren es die Bands, die den Laden ausmachten. Der eigentliche Club behandelte die Bands immer mies! Die wollten uns die Getränke in Rechnung stellen, hatten keine Tür vor der Garderobe und vergaßen immer, daß wir es waren, die die Leute anzogen und denen der Club seinen guten Ruf verdankte!"
EINFLUSSREICH:
"Manchmal hörst du Sachen, die so klingen, als wären sie von uns beeinflußt, aber das weißt du erst, wenn sie es selbst sagen. Vielleicht hat man selbst jemanden beeinflußt, der wiederum diese Band beeinflußt hat, das ist immer schwer zu sagen. Vielleicht haben wir zeitweise die SEX PISTOLS beeinflußt, und jemand ist dann von denen beeinflußt worden. Das ist ein Dominostein-Effekt. Sid Vicious war aber ein großer Fan von uns. Ich glaube, er wollte später zu uns stoßen! Ich weiß aber nicht, was er wollte; vielleicht wollte er seinen Baß an den Nagel hängen und Drummer werden, das hatte er nämlich sonst gespielt. Das wäre interessant geworden!"
GABBA GABBA HEY:
"Das hatten wir aus dem Film 'Freaks', ein alter Hollywood-Film, der in England lange verboten war. Wir sahen ihn uns aber an und begannen hinterher, Songs über die Deppen in dem Film zu schreiben. Wir dachten, sie sagten, 'gobble gabble, we accept you, one of us', aber Tommy bestand darauf, daß sie 'gabba gabba' sagten, und so sagten wir schließlich alle gabba, gabba. Finde ich sowieso besser!"
HEY HO, LET'S GO:
"Damals hörten wir 'Saturday Night' von den BAY CITY ROLLERS, und, ob du es glaubst oder nicht, wir dachten, daß die BAY CITY ROLLERS unsere Konkurrenten waren! Wir wollten einen ähnlichen Mitsing-Song schreiben, und so kam es zu der 'Hey ho, let's go'-Sache. Ein Ohrwurm..."
DIE ZUKUNFT:
1993 möchte ich gern weitermachen. weil es immer noch Spaß macht zu spielen und weil wir immer noch gut sind. Ich will das nicht für immer machen, aber noch mindestens ein Jahr lang. Ich würde gern unser zwanzigjähriges Bestehen schaffen - wir sind jetzt achtzehneinhalb Jahre dabei, das dauert nicht mehr lange! Wir haben einen Vertrag über zwei Alben, ein Album ist fertig, und irgendwann im Laufe des Jahres werde ich dann entscheiden, was ich mache. Ich möchte nicht auf dem absteigenden Ast sein und immer noch Musik machen, ich will aufhören, solange wir noch gut sind. Aber mir ist klar, daß man irgendwann einmal aufhören muß. Es gibt viele Bands, die schon längst hätten abtreten sollen."