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from German fanzine "Goar" Nr.1 (1990?)
The Ramones RAMONES


Ein Vorwort zu Ramones ist so überflüssig wie Hirnkrebs. Jeder hat sein eigenes Vorwort. Nimm' die letzten 14, 10, 2 Jahre Mania und du wirst sehen, was du davon hast. Das Interview fand am 22.11.1989 in einem Frankfurter Luxushotel statt.
Goar: Seid ihr mit dem Film "Pet Sematary" oder nur mit eurem Soundtrack zufrieden?
Johnny: Es war schön den Song im Film zu haben, das Lied ist gut. Es war o.k.. Der Film auch.
Joey: Es war eine Ehre ein Lied in einem Stephen King-Film zu haben. Es ist eine Tatsache - er ist einer der größten und wir mögen uns gegenseitig - es war ziemlich cool. Wenn er seine Bücher schreibt, hört er die Ramones.
Johnny: Er hat nicht viel Glück gehabt große Filme aus seinen Büchern zu machen, außer "Carrie" und "Dead Zone".
Goar: Gefallen euch Horror- oder Splatterfilme? Habt ihr einen Lieblingsfilm?
Johnny: Ich weiß es nicht, ich habe zu viele. Es gibt so viele gute Filme, aber Horrorfilme sehen wir ganz gerne.
Goar: Wie kam es zur Zusammenarbeit mit Johnny Thunders auf "Chinese Rocks"? Seid ihr befreundet?
Johnny: Das war ein Ramones-Lied. Keine Zusammenarbeit. Sie bekamen das Lied von uns, zum aufnehmen, dann schrieben sie ihre Namen drunter, das ist alles. Dann sagten wir, sie sollen ihre Namen weglassen. Es war keine Zusammenarbeit, das Lied ist von den Ramones. Wir sind aber befreundet, wir sind oft zusammen.
Goar: Besteht die Möglichkeit, daß Phil Spector wieder eine Platte von euch produziert?
Joey Ramone Joey: Nein! Es war ein Experiment, und wir haben daraus etwas gelernt. Es war ein einmaliges Erlebnis. Das haben wir damals gemacht. Es ist gut sich daran zu erinnern.
Johnny: Wir haben schließlich eine Platte mit dem legendären Phil Spector produziert. Er hat schon so viele gute Sachen gemacht, daß es wirklich eine Ehre war, mit ihm arbeiten zu dürfen. Das war, glaube ich, das Letzte, was er gemacht hat.
Goar: Wer war der beste Produzent von euch? Oder ist das nicht wichtig für euch?
Joey: Wir haben viele gute Platten gemacht mit einigen guten Produzenten. Und die neue mit Bill Laswell hat wirklich gut geklappt. Das war eine schöne Zusammenarbeit. Bill ist sehr nüchtern, ernst, schlicht, kennt sich gut aus in dieser Welt, er arbeitet nicht mit Leuten, die er nicht mag. Allein die Tatsache, daß er uns, Iggy, Motörhead produziert hat, aber auch viel Funk und ganz andere Sachen, zeigte wohl, daß er ziemlich cool ist und viel Geschmack hat.
Johnny: Wir haben uns sehr gut verstanden. Wir hatten das gleiche Ziel im Sinn, soweit es die Platte betroffen hat. Oft kommen Produzenten, die sagen "wir wissen, was ihr falsch gemacht habt" statt "laß' uns einfach eine echte Ramones-Platte machen".
Joey: Er hat nicht versucht uns weicher zu machen, er hat uns nur verbessert. Er hat unsere Stärke gelassen und nur verbessert.
Goar: Ich glaube die Freiheit des Individuums ist sehr wichtig für euch? Wahrscheinlich nicht das einzig Wichtige für euch?
Joey: Es ist wichtig, die kreative Freiheit zu behalten, künstlerisch frei arbeiten zu können. Viele Bands haben es nicht und wissen nicht, was sie haben oder wollen. Aber wir wissen es. Es ist sehr wichtig für uns, die Freiheit zu haben das zu machen, was wir wollen, denn wir wissen es am besten, nicht das Management oder die Plattenfirma, do you know what I mean?
Johnny: Wir erlauben keine Kompromisse, die Show ist wichtig, die Fans sind wichtig. Wir müssen sicherstellen, daß die Fans das bekommen, was sie von den Ramones erwarten.
Q.: War das immer so oder hat es sich im Laufe der Karriere so entwickelt?
Johnny Ramone Johnny: Es war immer so, aber manchmal gibt es viel Druck von außerhalb, von Plattenfirmen usw., man fängt an zu zweifeln.
Joey: Oder eher, sie fangen an zu zweifeln. Wir wußten, was wir machten, aber es gab auch eine Zwischenperiode um die Zeit von "Pleasant Dreams", wo sie uns kommerziell machen wollten, sie wollten, daß wir Produzenten von außerhalb holten, Leute, die wir nicht holen wollten. Und wir haben mehr oder weniger darauf bestanden, daß es so nicht gehen würde, wenn wir nicht die Macht hätten, es so zu machen, wie wir wollten. Es ist auch nicht gegangen. Wir sind in bestimmte Situationen gezwungen worden.
Johnny: Aber von "Too Tough To Die" an hatten wir die Kontrolle über alles, was wir machten.
Q.: Seid ihr zufrieden, wie die Sachen so gelaufen sind?
Johnny: Wir sind mehr oder weniger zufrieden. Es gibt bestimmte Platten, die wir gern anders gemacht hätten. "Pleasant Dreams" wäre besser von Tommy oder Ed Stasium produziert worden. Lieder waren da, nur war es eine Frage der Produktion. Eigentlich müßten wir ziemlich zufrieden sein, die meisten Alben sind ziemlich stark.
Q.: Wie fühlt ihr euch in der heutigen Musikszene, die sich doch ziemlich verändert hat?
Joey: Ich glaube wir waren die Anführer, der Auslöser, der Punkrock vorangebracht hat, der Rock'n'Roll revolutioniert hat. Wir haben einen neuen Geist, Aufregung, Stil, Spaß und Sound in die Rock'n'Roll-Musik gebracht. Ich glaube es ist alles gesunder gewesen bis heute. In der Musikszene war alles sehr stagnierend, jetzt ist alles mit Sicherheit viel gesünder. Zur Zeit ist die Sache wieder bei der Grundlage - nicht mehr soviel Techno wie früher - jetzt geht's wieder um Rock'n'Roll. Es gibt sogar eine zweite Generation mit Bands wie Metallica, Anthrax, Guns'n'Roses, usw.. Aber die grundlegende Verbindung sind die Ramones von den früheren LP's. Das gefällt uns.
Joey Ramone Q.: Seid ihr stolz darauf eine Art Vorbild für Bands wie Anthrax zu sein?
Joey: Ja, es freut mich, daß sie existieren, weil ihre Musik sehr aufregend ist. Es sah mal so aus, als ob sich die Musik in einem Kreis bewegen würde - zurück in die Scheiße. Aber jetzt haben diese Trash- oder Speed Metal-Bands, ja sogar Metal-Bands gesündere Aussichten, you know what I mean?
Q.: Wie kommt ihr mit diesen ganzen Etiketten zurecht?
Joey: Im Grunde genommen ist alles Rock'n'Roll. Und Rock'n'Roll ist alles. Rock'n'Roll ist ein Alter, eine Meinung, Mut, Risiko. Die meisten wollen so angesehen werden als würden sie diese Musik spielen, aber das tun sie nicht. Viele neue Bands tun es doch, z.B. Guns'n'Roses, und das ist gut.
Q.: Seid ihr typische Rock'n'Roller? Was bedeutet Rock'n'Roll heutzutage?
Joey: Das heißt - keine Kompromisse. Die Sachen tun, die du tun willst. Die Anfangsabsichten und Glaubenshaltungen muß man behalten. Es geht um starke moralische Werte und Ehrlichkeit, und um wilde aufregende Musik. Und niemand in den Arsch kriechen müssen.
Q.: Glaubst du, es ist noch sowie am Anfang?
Joey: Wir sind, glaube ich, stärker als früher, besonders jetzt mit dem neuen Bassisten. Noch härter und noch stärker als früher.
Johnny: Man hat noch dieselben Gefühle und Frustationen. Es gibt gewisse Erwartungen von den Kids, die wir erfüllen müssen. Jede Show ist sehr wichtig.
Joey: Viele Bands haben am Anfang nur Drogen genommen oder getrunken und haben total darauf losgespielt. Es war ihnen egal. Es hieß, Rock'n'Roll wird jetzt gefickt und das ist hip. Das ist aber Mist. Die Musik, die wir spielen, geht darum, sich jeden Abend zu verbessern, weil du für das Publikum, für die Kids spielst. Jeden Abend kommen neue, aber auch wenn es die alten sind, wollen wir sie trotzdem zum ausflippen bringen. Wir wollen, daß sie sich daran erinnern, daß sie was sehen, was sie sonst nirgends sehen können.
Q.: Wie ist es mit Mode und Image? Ist euer Image wichtig? Die Haare, die Sonnenbrille...
Johnny: Image ist immer wichtig gewesen. Von Anfang an wußten wir das. Wir haben unser Image von der Kleidung genommen, die wir schon trugen und haben es ein wenig koordiniert. Die Jeans und Lederjacken und Turnschuhe haben wir immer getragen.
Joey: Aber das Image ist eigentlich in der Person drin. Man kann sich anziehen wie man will, aber das Image kommt vom Bauch her. Das kann nicht jeder haben.
Johnny: Es geht nicht nur um die Kleider. Ein Image ist eine Meinung und ich glaube, die Ramones haben ein sehr starkes Image.
Marky Ramone Marky: Wir versuchen immer, das Image beizubehalten. Ich kann mir uns nicht in einer Verkleidung vorstellen. Viele Bands müssen sich ändern, wir nicht. Unser Image ist uns bequem und gehört zu uns und so wollen wir es auch lassen.
Johnny: Marky läßt sich jetzt einen Pferdeschwanz wachsen.
Marky: Und bald ziehen wir schwarze Rollpullis an.
Q.: Wie wichtig sind die Videos in MTV?
Johnny: Es hilft viel, wenn das Video gezeigt wird. Heutzutage gehört sowas zu Werbung.
Joey: Wenn du vorankommen willst, gehört zu diesem Spiel ein Video zu haben. Aber ich denke, wenn man schon ein Video machen will, soll es fucking great sein! Man soll da was cleveres machen, was schönes, nicht wie die ganze Scheiße von den anderen.
Johnny: Die meisten Videos sind alle sehr hochgestochen. Zudem noch schlecht gemacht. Es ist ärgerlich ein Video machen zu müssen, aber es muß sein. Unsere werden nachts gezeigt.
Goar: Wollt ihr so etwas wie "Rock'n'Roll High School" nochmal machen?
Johnny: Ich weiß es nicht. Wenn sich was ergeben würde, was sich gut anhört, würden wir es uns überlegen.
Q.: Glaubt ihr, der Film besitzt noch Gültigkeit?
Joey: Dieser Film wurde nicht von der Band gedreht. Man hat uns gefragt, ob wir das machen. Es war aufregend von Roger Corman's Leuten gefragt zu werden. Ich glaube "Rock'n'Roll High School" war ein cooler Film - der hat eine völlig neue Welle von Filmen inspiriert. Das ist aber nur eine Sache, die die Ramones gemacht haben. Es hat Spaß gemacht, aber ist wirklich nicht alles von den Ramones.
Q.: Glaubt ihr, daß Rock'n'Roll heute noch eine Funktion von Revolution hat?
Johnny: Rock'n'Roll sollte immer sehr rebellisch sein. Es ist aber sehr kooperativ und middle of the road geworden. Es gibt noch ein paar Bands, die ganze Punkbewegung, vielleicht ein paar Speedmetal-Bands, die in ihrer Art rebellisch sind. Es ist alles mehr oder weniger big business geworden. Es ist wie Mittelmäßigkeit. Die rebellischen Sachen gehören jetzt zur Minderheit. Vorher war die ganze Rock'n'Roll-Sache rebellisch. Ich glaube, sie haben so um 1960 angefangen, alles zu säubern. Nach Pat Boone.
Marky: Als Elvis zur Armee ging. Dann kam eine ganze Reihe von Bobbies. Erst bei den Beatles war Rock'n'Roll wieder so, wie es sein sollte - mit der britischen Invasion - das hat alles wieder belebt. Das endete in den 70ern, Mitte der 70er. Dann gab es diese ganzen seichten Bands, wie Fleetwood Mac, die alle nur gewaschenen Rock spielten. Als Punk kam, ging alles wieder los.
Joey: Es geht eigentlich um die Bands selbst. Rock'n'Roll ist jetzt zum riesigen Geschäft geworden - vom Anfang in den 50ern bis heute hat es Millionen von Bands gegeben. Es sind aber die verschiedenen Persönlichkeiten, die die Spannung, Revolution und Haltung über das, wie es sein sollte behalten. Bands wie Ramones, Motörhead, AC/DC, Metallica. Es gibt nur ein paar Bands, die wirklich wissen, worum es geht, was sie eigentlich machen und warum sie es machen, you know what I mean. Es ist wie ein Gefühl der Befreiung. So sehe ich das.
Q.: Wie ist euer Verhältnis zu Hip Hop?
Johnny Ramone Johnny: Es hat uns nicht berührt, außer Dee Dee.
Marky: Das war das Problem mit Dee Dee. Es gibt guten und schlechten Rap. Dee Dee denkt, er sei Neger. Er hat angefangen Ketten zu tragen, die Jogginganzüge und das ganze Zeug - es hat ihn so sehr beeinflußt, daß er anfing zu sagen, er sei Neger.
Q.: Wenn du einen schwarzen Sänger siehst, erwartest du dann, daß er soul singt?
Joey: Es gibt ein großes Stigma um Farbe und Rock'n'Roll. Deswegen haben Living Colour ihre schwarze Koalition begonnen. Die schwarzen Radiosender spielten sie nicht, weil sie nach ihrer Meinung Tanzmusik spielen sollten und nicht Rock'n'Roll. Und die weißen Sender spielen sie nicht, weil sie Rock'n'Roll spielten, und Schwarze sollten keinen R'n'R spielen, sie sollten Tanzmusik spielen. Sie konnten nicht gewinnen und deswegen formten sie eine Art Koalition über das, wie sie gefickt worden sind und wie ihnen ein Stigma gegeben worden ist. Und es hat geklappt.
Goar: Was war der größte Moment in eurer Karriere?
Joey: Ich weiß nicht, bei den Ramones zu sein wahrscheinlich.
Johnny: Nichts Bestimmtes, wir haben viele schöne Momente gehabt.
Joey: Als wir nach Deutschland kamen.
Johnny: Als wir für die Queen spielten. Als wir im Roadhouse am 4. Juli spielten. Zu der Zeit war das eine große Sache.
Marky: Einen Film zu drehen war auch gut, mit Phil Spector zu arbei- ten, auf jeden Fall, bevor wir mit ihm gearbeitet haben, war es eine gute Idee. Nachher wußten wir, daß es vielleicht nicht so schön war.
Johnny: Es ist nicht so, das ein einziger Moment so wichtig in der Karriere ist. Die Sachen, die man für wichtig hält, sind es meistens nicht.
Marky: Aber die Jahre, die man zusammenbleibt, die sind wichtig.
Johnny: Man sagt "das ist wichtig - das muß ich machen", aber das Leben geht weiter, egal ob man es macht, oder nicht.
Joey: Diese Momente kommen immer wieder. Es gibt so viele, die könnte man gar nicht alle aufschreiben.
Johnny: Wir warteten Monate auf einen Vertrag. Als wir ihn endlich bekamen, war das eine große Sache. Es war großartig, zum Laden zu gehen und seine Platte dort zu sehen.
Marky: Oder die Platte im Radio zu hören. Das ist auch eine große Sache.
Goar: Wo lebt das beste Publikum auf der Welt?
Marky: Die Kids sind fast überall gleich. Spanien hat uns sehr beeindruckt. Spanien war der reinste Wahnsinn, da gab es 5 oder 6000 Leute pro Abend als wir dort spielten, und wir mußten 4 oder 5 Zugaben spielen, wir hatten fast keine Lieder mehr.
Johnny: Das ist ein Trick von denen. Sie schreien immer mehr und mehr, und du kommst und spielst immer mehr.
Marky: Japan ist toll.
Johnny: Die Kids sind überall gleich, sie wollen zur Show kommen, ein schönen Abend haben, ihre Sorgen vergessen, unterhalten werden. Sie sind in der ganzen Welt gleich.
Joey: Momentan spielen wir in den größten Hallen, in denen wir jemals in Deutschland gespielt haben und wir sind sehr aufgeregt.
Johnny: Wir spielen vor 4000 Leuten, normalerweise kommen 1500 oder 2000 oder so. Die Platte läuft gut, und es macht momentan eine Menge Spaß.
Goar: Was ist kulturell das größte in den USA?
Joey: R'n'R wahrscheinlich. Eine sehr aufregende Kultur, macht einen besseren Menschen aus einem!
Marky: Sport. Baseball.
Johnny: Football.
Marky: Mexikanisches Essen.
C. Jay Ramone C. Jay: Apple Pie.
Marky: Pizza.
Johnny: Indisches Essen.
Marky: McDonalds.
Q.: Bist du durch R'n'R zum besseren Menschen geworden.
Johnny: Nein, das würde ich nicht sagen.
Joey: Du stellst mehr in Frage dadurch. Du stellst alles in Frage. Das ist wichtiger. Du wirst dir mehr über etwas bewußt. Du stellst deinen gesunden Verstand in Frage. Viele Leute sind sehr blöd und haben keine Fragen.
Q.: Was haltet ihr von der New Yorker Szene, von der Punk/Hardcore-Szene und diesen Metalsachen?
Joey: If it's good, it's good and if it sucks, it's shit!
Johnny: Es gibt viel Gutes und viel Schlechtes. Die meisten haben die richtigen Ideen, wenn auch nicht richtigen Songs. Es geht immer um die Songs, die müssen einfach gut sein.
Q.: Wie ist die Reaktion von den jüngeren Leuten?
Marky: Die Jüngeren mischen sich gut mit den Älteren bei den Konzerten. Es gibt soetwas wie eine ganze neue Generation von Ramones-Fans. Viele von denen gab es vor 15 Jahren noch nicht. Einige waren erst 3 oder 4 Jahre alt. Bei den heutigen Konzerten ist es seltsam: die Jungen stehen vorne und die Alten hinten.
Goar: Ist dein Kindheitstraum Wirklichkeit geworden R'n'R-Star zu werden?
Johnny: Ja, auf eine Art schon. Seit Teenagertagen wollte ich das werden. Vorher wollte ich Football spielen.
Marky: Als ich 12 war, wollte ich R'n'R-Star werden. Ich habe angefangen Schlagzeug zu spielen, als ich die Beatles in der Ed Sullivan-Show gesehen habe. In der Schule wollte ich nichts lernen, deswegen mußte ich Schlagzeuger werden. Das war alles was, ich machen wollte.
Joey: Als ich 13 war, wollte ich auch Schlagzeuger werden, als ich die Beatles im Fernsehen sah. Als ich The Who live erlebte, wußte ich, daß ich abhängig war.
C. Jay: Ich glaube, ich wollte Müllmann werden. Guter Lohn. Pension nach 20 Jahren. Nein, ich wollte wahrscheinlich Arzt werden, aber als ich erfuhr, wie lange man dafür studieren muß, sagte ich nein.
Q.: Wie kommst du mit einer Band zurecht, die eine solange Geschichte hat.
C. Jay: Die Ramones haben sich in den Jahren nicht geändert, das sieht man an ihrer Musik. Wenn wir zusammen sind, habe ich nicht den Eindruck, daß ich mit meinem Vater und seinen Kumpels zusammen bin. Wir haben immer eine Menge Spaß; es ist eigentlich nicht anders wie mit meinen anderen Freunden auch. Sie haben mich von Anfang an akzeptiert, wahrscheinlich deshalb, weil meine Haltung sehr ähnlich ist. Meine Haltung kennt keine Kompromisse und ich kämpfe für das, woran ich glaube. Das haben sie schon am Anfang mitbekommen.
Johnny: Er kam von den Marines zu uns, als er sich unerlaubt entfernte.
C. Jay: Ja, sie haben mich aus dem Knast geholt.
Q.: Könnt ihr euch vorstellen, daß ihr auch mal bei einer anderen Band spielt?
Johnny: Ich würde nur bei den Ramones spielen.
Q.: Bis du von der Bühne fällst?
Johnny: Ich hoffe, daß es nicht soweit kommt, aber es könnte passieren.
Marky: Man kann es nicht sagen, solange wir gut sind. Ein Jahr kommt nach dem anderen. Vor den Ramones habe ich andere Arten von Musik gemacht, aber nach den Ramones - wer weiß? Wir haben alle verschiedene Einflüsse, vielleicht machen wir mal verschiedene Sachen.
Goar: Wenn ihr mal erfolglos wäret und wieder in kleinen Clubs spielen müßtet, wie z.B. CBGB's, wäre das ein Zusammenbruch für euch?
Joey + C. Jay Ramone Joey: Ja, wahrscheinlich.
Johnny: Das ist sehr schwierig zu beantworten. Man sagt nie, man kehrt nicht zu einem bestimmten Ort zurück, weil man nie wissen kann, wann man zu einem Ort zurückgehen will. Oder wenn man das Geld braucht, oder so.
Joey: Wir mischen es sowieso. Wir spielen auch in kleinen Clubs, nicht nur in großen Hallen.
Marky: Nicht weil wir müssen,weil wir es so wollen. Es macht richtig Spaß.
Johnny: Ich weiß nicht, ob ich immer noch spielen würde, wenn ich so unbeliebt wäre.
Joey: Vielleicht muß ich Rap mit Dee Dee spielen. Die Ramones sind unser Leben, ich möchte nicht sagen, daß es nicht so ist. Manche Bands haben soviel Ego, sie sind so plastic, you know what I mean. So sind wir nicht. Wir sind nur normale, ernste Leute. Wir machen einfach, was wir wollen.
Johnny: Wir halten nichts von der ganzen Starscheiße. Wir würden uns nicht ändern nur um Geld zu verdienen. Dieses Niveau von Beliebtheit stellt mich zufrieden. Natürlich ist es immer schöner, mehr Platten verkaufen zu können, wenn man das spielen kann, was man will.

Noch ein paar Weihnachtsgrüße?

Marky: Hi everybody, this is Marky Ramone of the Ramones. All Ramones are wishing you a very merry christmas and a great new year. Best wishes and best of luck for the 90s.
Interview: Patrick Engel, Mingo Diener.
Photos: Gregor Braun, Mingo Diener, Peter Meyer.