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from German magazine "EB/Metro-nom" Juli/Aug. 90
 
RAMONES
The Song Ramones The Same

Unkraut vergeht nicht. Gottseidank. Im Herbst meldeten sich uns aller Ramones mit ihrem neuen Album "Brain Drain" zurück von den Toten. Dreckiger, speckiger, fertiger ramonesiger denn je. 15 Jahre hat das Kommandounternehmen aus New York nun schon locker auf dem Buckel, anderhalb Jahrzehnte in stinkenden Converse-Turnschuhen, speckigen Lederjacken und Levis Jeans.

Von Florian Schück

Würde man ihnen diese Zeit nicht ansehen, stünde hier "Man sieht ihnen nichts an", aber ihre Visagen können die Zeit längst nicht mehr verstecken. Jetzt, zum Sommer, kommen sie wieder zu uns. Grund genug, sich mit den Pogo-Fürsten auf ein Schwätzchen zu treffen.
    Ich hatte eigentlich noch die Smiley-Ramones in Erinnerung, aber auf der letzten Tour ward ihr sehr ernst. Haben die Ramones das Lachen verlernt?
    Joey: "Hm, ich hab eigentlich schon noch meinen Spaß, nach wie vor. Ich meine, wenn man in unserem Tempo spielt, ist das schon ein bißchen 'ne Tortur, zumindest nicht so easy und komfortabel wie man vielleicht denken könnte, aber unseren Spaß haben wir schon immer noch."
    Macht da mehr der Sound Spaß, oder das Auftreten?
    Joey: "Halb und halb. Die Musik, die Power, das ist, als ob wir mit den Leuten redeten. Kommunikation auf einer anderen Ebene. Wir spielen meistens in großen Hallen, da kann ich nicht von der Bühne springen und jedem die Hand schütteln. Aber wenn man so ins Publikum schaut, da gehen einem die verschiedensten Dinge durch den Kopf. Ich sehe mir die Leute schon sehr genau an."
    Hauptsächlich die Mädels?
    Joey: "Natürlich nicht Jungs, klar. Ich schaue nach hübschen Mädchen, aber auch oft einfach so, was denn für Leute zu unseren Konzerten kommen. Ach meistens schaue ich nur so einfach vor mich hin. Ich bin halt auch immer auf der Pirsch danach, ob irgendetwas schief läuft."
    Bei der Herbsttour hattet ihr auch mal ganz schön mit dem Sound zu kämpfen.
    Joey: "Ja, das war wie in alten Tagen. Punk Rock. Einige dampfende Marshall Amps können ein Lied davon singen. Doch nicht nur vom Klang her (Wir bevorzugen nach wie vor 'Wall of sound'), ist jedes einzelne Konzert der Ramones noch immer eine Herausforderung für das Quartett.
    Joey: "Es gibt uns jetzt über 15 Jahre, und wir haben eine Menge Gesichter kommen und gehen gesehen. Mit jedem Album kommen neue Leute zu den Gigs, Leute, die sich von uns was versprechen, und wenn's nur Ohrensausen ist. Wir müssen die Leute jeden Abend neu erobern, neu zufriedenstellen, und dann noch die, die uns fast schon im Abonnement ansehen. Die passen ganz genau auf, ob wir langsam schlapp machen."
    Als Ramone also immer auf der Höhe?
    Joey: "Ja, freilich, aber auch eigentlich wieder nicht, wir sind zwar immer die Ramones, aber wir machen auch mal Bandpause. Das heißt nicht, daß du mich in Frack und mit Binder triffst. Auch ohne Band gilt: einmal Ramone, immer Ramone."
    Und doch gilt es den Ramones, immer wieder sie selbst zu sein, sich selbst zu spielen. Eine Glanzrolle, wenn man bedenkt, daß manche Anhänger noch nicht einmal geboren waren, als die Lieder auf Vinyl das Licht der Welt erblickten.
    Joey: "Die Ramones-Mania LP ist für die Jüngeren gedacht. Da sind dann unsere ganz persönlichen liebsten Ramones Lieder drauf, die die Kids nicht haben, weil sie ihr Geld damals für ET-Puppen oder Bazzooka Joe Kaugummi ausgegeben haben."
    Auffallend für mich war, daß die letzte Ramones LP "Brain Drain" hauptsächlich in Metalmagazinen beworben und besprochen wurde. Die Ramones auf dem Weg zu Fistelstimme und Spandex-Höschen?
    Joey: "Also von der Ramones Musik her sind wir genauso rangegangen wie an jedes Album zuvor auch. Wir wollten den 'ultimate punch' aus uns herausholen. Man steht dann im Studio und hat nur den Song vor den geistigen Augen und nicht etwa eine Fangruppe."
    Woran liegt das dann? Ich meine, ganzseitige Anzeigen neben Slayer und Sodom sind Taktik, kein Zufall.
    Joey: "Gegenfrage: Warum sollten wir nicht in Metalmagazinen drin sein? Wir spielen harte, superschnelle Musik und ich wage mal zu behaupten, wir hätten so manche Band aus der Metalecke einen gewissen Einfluß gehabt. Aber egal, ob wir 'nen Hardcore-Punk Song aufnehmen oder eine Ballade, du kriegst immer volles Brett die Ramones."
    Die Ramones naschen also an verschiedensten Töpfen?
    Joey: "Klar, wir wollen damit auch den Leuten zeigen, hey hier kommen nicht ein paar alte Knacker, die nichts mehr draufhaben, sondern wir beherrschen viele Stilrichtungen besser als so manche typische Band dieses oder jenes Genres."
    Das hört sich jetzt aber ganz schön nach Papa Punk an...
    Joey: "(lacht) Nein, so auch wieder nicht. Wir machen unsere Ramones Musik. Alles andere ist uns scheiß egal. Und warum Werbung in Metal-Heften erscheint, mußt du unsere Werbeabteilung fragen."
    Stichwort Pet Semetary - gib' zu, da ist ein Synthie drauf?
    Joey (lacht): "Ich wußte es, einer wird uns auf die Schliche kommen. Also gut, ich bin geständig. Aber das ist nur ein ganz kleiner Part. Und ich verrat' Dir noch was, Mr. Holmes, wir haben schon mal einen Svnthie verwendet. Aber wo, das muß Deine Spürnase selbst rausfinden."
    Ich dachte, wenigstens ihr würdet ganz ohne 'schädliche Zusätze' auskommen...
    Joey: "Ich hoffe, Da bist nicht persönlich enttäuscht. Wir haben uns lange und sorgfältig überlegt, ob wir das machen sollen, das ist schon ein bißchen wie eine Glaubenssache. Und wir haben den Synthie nur benutzt, weil wir alle der Meinung waren, er würde dem Song helfen. Wir haben ihn nämlich auch ohne Synthie gemacht, da klang er nicht so gut."
    Wer entscheidet denn, welche Version genommen wird? Die Band? Der Manager? Der Produzent?
    Joey: "Der Pförtner, und natürlich die Putzfrau. Im Ernst, wir, nur wir entscheiden, was auf unsere Scheiben kommt. Wir haben bei unserer Musik das Sagen, sonst niemand."
    Zurück zu Pet Semetary. Stephen King kritzelt sich wie immer auf die Bestsellerliste. Ist er auch der Lieblingsautor der Ramones?
    Joey: "Er ist klasse. Er hat immer Bestseller. Aber er ist kein Blutegel, wenn Du verstehst, was ich meine. Er geht eher psychologisch vor. Kein plattes Gemetzel. Viele Bands schreiben sich aus seinen Zeilen ihre Hits ab. Das ist für Stephen King eine ganz schöne Ehre, aber auch ganz schön mies von den Bands."
    Und wie schließen sich die Ramones da aus?
    Joey: "Er mag unsere Musik, er ist ein Ramones-Fan. Und er wollte, daß wir "Pet Semetary" schreiben. Wir trafen uns einfach in der Mitte, die goldene Ramones-Mitte... please not laughter."
    Ein letztes Wort jetzt zum Sommer, den ihr ja wieder in Europa verbringt.
    Joey: "Wir kommen nach Deutschland. Da könnt ihr euch überzeugen, daß wir nicht alt werden. Und ich brauche noch mehr Steine aus der Mauer in Berlin. Ich mußte meinen zu Krümeln verarbeiten, weil alle Freunde ein Stückchen haben wollten. See you in Europe."

FLORIAN SCHÜCK